Wer ist denn hier (un-) geduldig?

Geduldig habe ich auf eine Eingebung zum Thema dieses Monats gewartet – nämlich zum Thema „Geduld“, gelassen habe ich die Tage ziehen lassen, ohne etwas zu schreiben und mit Ausdauer habe ich viel gelesen und doch alle Ideen wieder verworfen. Und nun?

Nun ist der Abend des letzten Tages dieses Monats angebrochen, draußen wird es langsam dunkel und es bleiben nur noch ein paar Stunden, um etwas zum Thema Geduld zu schreiben. Sind das jetzt besonders gute oder besonders schlechte Voraussetzungen, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen?

Was macht Geduld eigentlich aus?
Ich habe in den letzten Tagen und Wochen immer wieder darüber nachgedacht, was Geduld für mich überhaupt inhaltlich bedeutet. Es ist ein sperriger Begriff, den ich – zumindest bewußt – eher selten nutze. Es sind andere Worte oder Konzepte, die für mich Facetten der Geduld ausdrücken – sehr viel präziser als „Geduld“.

In vielen Bereichen – so zum Beispiel beim Rätsellösen (a propos: haben Sie/habt Ihr das Kreuzworträtsel zum Thema Vielfalt schon gelöst?), bei kniffligen Aufgaben, beim Lesen umfangreicher Texte und beim Sprachenlernen ist Ausdauer wichtig. Nicht immer findet man sofort eine Lösung oder kann sich sofort in einer fremden Sprache verständigen. Oft ist es mühsam, an einer Aufgabe, einem Rätsel, einer Sprache „dranzubleiben“, ein dickes Buch bis zur letzten Seite durchzulesen – gerade dann, wenn man das Gefühl hat, daß man nicht weiterkommt. Das, was einen dann weiterträgt, ist Ausdauer.

Geduld verbinde ich auch mit Warten – also mit Wartezeiten, vor allem mit unangenehmen und nervigen Wartezeiten. Wie oft warten wir im Alltag – auf den Bus oder den Zug, an der Supermarktkasse, bei Ärzten oder Behörden, auf Prüfungsergebnisse. Dieses Warten ist zwar meistens nicht vergeblich – also nicht wie das Warten auf Godot – aber trotzdem selten so vergnüglich wie das mit einem Adventskalender versüßte Warten auf die Weihnachtszeit. Sehr treffend ist da der Untertitel des Buches „Warten“ von Friederike Gräff – der lautet nämlich „Erkundungen eines ungeliebten Zustands“.

Warten als ungeliebter Zustand? Ja und nein, denn an dieser Stelle kommt für mich auch Gelassenheit ins Spiel. Ausdauer und Gelassenheit ergänzen sich für mich. Natürlich kann ich eine fremde Sprache nicht in ein paar Tagen lernen und für das Lesen längerer Texte brauche auch ich manchmal ein bißchen mehr Zeit. Das Gefühl, daß ich nicht alles sofort machen oder schaffen muß, gibt mir die Gelassenheit, Dinge auch mal ruhen zu lassen. Gleichzeitig kann ich auch ganz gelassen beim Warten ein Buch oder eine Zeitung lesen (oder auch mal bei Twitter mitlesen). Das richtige Maß Ausdauer hilft bei aller Gelassenheit dann aber auch, sich nicht ständig ablenken zu lassen, denn natürlich gibt es eine ganze Vielfalt spannender Bücher, Aufgaben, Themen …….

Was für mich wirklich am Begriff Geduld „sperrig“ ist, ist der Gedanke des Duldens. Dulden – also hinnehmen – ist für mich eher etwas Passives. Ich erleide etwas, ich nehme es hin ohne mich zu wehren, ohne etwas zu ändern. Einerseits ist dieses Erleiden oder Dulden durchaus in vielen Situationen zutreffend – nicht zuletzt wenn es um Krankheiten geht. Sehr aktuell ist da gerade heute der Bericht von Claudius Holler über seine Krebserkrankung mit dem Hashtag #hollerkaputt. Wir können uns unser Schicksal nicht aussuchen, aber wir können zumindest versuchen zu entscheiden, wie wir damit umgehen. Das ist übrigens auch das, was Viktor Frankl sehr bewundernswert in seinem Buch …trotzdem Ja zum Leben sagen zum Ausdruck bringt. Es gibt übrigens ein sehr schönes Video mit beziehungsweise über Viktor Frankl – absolut sehens- und hörenswert!

Tugend oder Laster?
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob Geduld – so wie ich sie eben beschrieben habe – eine Tugend oder (zumindest manchmal) ein Laster ist. Das gelassene Warten kann zur Prokrastination entarten, die Ausdauer zur Obsession, das Dulden zu Teilnahmslosigkeit oder zu Hyperaktivität. Es ist – wie wohl fast immer – eine Frage der konkreten Umstände und des Maßhaltens. Das ist aber manchmal gar nicht so einfach. Oft erkennt man erst im Nachhinein, daß etwas an sich Positives sich im Laufe der Zeit in etwas Negatives verkehrt hat. Wer kennt nicht das berühmte „tote Pferd“, das doch noch weiter geritten wird.

Und wie ist es mit der Ungeduld? Wenn Geduld positive und negative Aspekte haben kann, ist dann auch Ungeduld ähnlich ambivalent? Irritierenderweise habe ich bei der Suche nach „Ungeduld Tugend“ einen Link zu „Ungeduld ist die Tugend der Verlierer“ gefunden. Ist das die einzig mögliche Sichtweise? Ich hoffe nicht, denn wie würden wir uns sonst neuen Themen, Fragen und Ansätzen zuwenden. Ist dafür nicht auch immer ein Verlassen des Alten und Beständigen notwendig und damit ein Bruch mit der Ausdauer und dem Warten?

Und ich: bin ich eigentlich geduldig?
Irgendwie ist der Beitrag nicht vollständig, ohne einen Blick auf mich selbst. Es gibt ja zu allem irgendwelche Tests – so natürlich auch zum Thema „Geduld“. Einen solchen Test habe ich spaßeshalber gerade mal gemacht – ich lasse für das Projekt ja fast nichts unversucht (kommt eigentlich irgendwann auch das Thema „Übertreibung“?). Das Ergebnis: sehr geduldig. Einerseits bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, denn in vielen Bereichen paßt das durchaus (zum Beispiel Aufbau von Kontakten, Vernetzung, Fremdsprachen, Bücher), andererseits gibt es auch durchaus Bereiche in denen das nicht paßt (nein, keine Beispiele!).

Eigentlich gefällt mir der Gedanke der Ambivalenz für mich persönlich am besten – Geduld da als Stärke zu sehen, wo ich im langsamen Aufbau etwas erreichen kann und will, aber Geduld nicht um ihrer selbst zu schätzen, sondern auch immer wieder zu hinterfragen, ob Geduld bei einem bestimmten Bereich oder Projekt überhaupt Sinn macht.

Und Sie?
Ja, ich bin neugierig! Deshalb erlaube ich mir hier am Ende die Frage, wie es Ihnen/Euch mit dem Thema „Geduld“ ergeht? Über Fragen und Antworten würde ich mich freuen!

Wie geht man mit Vielfalt um?

Vielfalt als Thema für einen ganzen Monat? Eine schöne Idee. Eigentlich. Aber die Umsetzung ist dann doch schwieriger als gedacht. Wenn Vielfalt bedeutet, daß man alles machen kann, dann steht vor dem Machen die Entscheidung, die Qual der Wahl, die Belastung mit der Verantwortung, sich vielleicht falsch zu entscheiden. Falsch entscheiden bei einem Blogthema? Nein, das ist nicht das Problem – aber die Frage Chance oder Risiko wird beim Thema Vielfalt gleich „mitgeliefert“. Tagelang sortiere ich Ideen, überlege, verwerfe wieder. Und dann weiß ich endlich, was ich machen will – ein Kreuzworträtsel rund um das Thema Vielfalt. Ob es mir gelingen wird? Keine Ahnung, aber ich möchte diese Seiten nutzen, um Dinge zu probieren, die ich bisher nicht probiert habe. Und wenn es nicht richtig gut wird? Ja, dann ist das halt so. Das ist eine der schwierigen Folgen der Vielfalt. Wenn wir wahnsinnig viele Auswahlmöglichkeiten haben, dann können wir etwas suchen/ausprobieren, bis es „perfekt“ ist, wir können aber auch einfach sagen „das ist jetzt für mich ok“ und ein gewisses Mittelmaß akzeptieren. Barry Schwartz schreibt darüber in seinem Buch „Anleitung zur Unzufriedenheit“ und in Gedanken an sein Buch kann ich jetzt diesen Beitrag und mein erstes Kreuzworträtsel einfach „so“ stehenlassen. Vielleicht ist ja jemand neugierig genug, das Rätsel auszuprobieren.

Das Rätsel finden Sie/findet Ihr direkt hier „Über-die-Vielfalt“ oder online hier:
Online kann man übrigens direkt erkennen, ob eine Lösung richtig oder falsch ist. Beim Ausfüllen ist das Feld blau unterlegt. Wenn man den Eintrag mit der Returntaste bestätigt, dann wird der Eintrag entweder grün (richtig) oder rot (nicht richtig). Viel Spaß beim Ausprobieren!