Gute Frage, oder?

A: Sag mal Ruth, warum schreiben wir eigentlich im “Fragencafé”?

R: Was für eine Frage! Natürlich weil wir Fragen toll finden.

A: Aber die eigentlich spannende Frage ist ja: Warum finden wir Fragen toll?

R: Fragen machen den Raum frei für Antworten, Möglichkeiten, Ideen, Impulse. Sie lassen einen ins Gespräch kommen.

A: Das ist eine schöne Erklärung. Nutzt Du oft Fragen, um Gespräche anzufangen?

R: Es könnte öfter sein. Manchmal fehlt mir einfach der Mut.

A: Das ist ein sehr interessanter Aspekt. Fehlt Dir der Mut, eine Frage zu stellen oder fehlt Dir eher der Mut, das Gespräch, das durch die Frage entsteht, in seiner ganzen möglichen Tiefe zu führen?.

R: Weder noch. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich die Antwort auf eine Frage überhaupt hören bzw. wissen möchte. Wie ist das bei Dir?

A: Dazu fällt mir eine kleine Anekdote ein. Vor längerer Zeit ging ich mit meiner Mutter spazieren. Unterwegs begegneten wir Bekannten meiner Mutter, einem Ehepaar aus der Umgebung. Sie fragte meine Mutter: “Wie geht es Ihnen?” Meine Mutter antwortete ganz ehrlich: “Nicht gut.”. “Oh, das ist schön!” antwortete sie, der Ehemann war leicht irritiert. Er fragte sie: “Hast Du eigentlich gehört, was Frau C. gesagt hat?” Das war für mich ein ganz einschneidendes Beispiel dafür, dass man selbst belanglos erscheinende Fragen nur dann stellen sollte, wenn man die Antwort wirklich hören will!

R: Unglaublich! Genau das meinte ich vorhin. Im Fragencafé wollen wir das so aber nicht haben. Hier stellen wir solche Fragen, an deren Beantwortung wir wirklich interessiert sind.

A: Ja, das ist unheimlich wichtig. Wenn ich auf eine Frage antworte, dann möchte ich, dass der/die Fragende sich auch die Zeit nimmt, meine Antwort wahrzunehmen. Schließlich nehme ich mir ja auch die Zeit, auf die Frage zu antworten.

R: Nur wahrnehmen?

A: Ja, zum Beispiel mit “danke für Deine Antwort” oder mit “ach, das ist ja interessant”. Wenn jemand auf meine Antwort gar nicht eingeht oder nur eine “Fragenliste” abspult, dann kommt es nicht zu einem Gespräch, das kann dann schnell oberflächlich und uninteressant werden.

R: Ich finde, man merkt schnell, ob eine Frage aus wirklichem Interesse gestellt wird oder eher auf Grund gesellschaftlicher Konventionen.

A: Ganz so streng bin ich da nicht. Eine “gesellschaftlich übliche” Frage kann ein guter Gesprächseinstieg sein, wenn der/die Fragende zuhört und die Antwort irgendwie aufgreift. Wenn mich bei einer Feier jemand fragt, woher ich die Einladende/den Einladenden kenne und sich aus meiner Antwort ein Gespräch ergibt, dann ist das ein guter Start. Wenn einfach nur eine völlig andere Frage kommt, dann eher nicht.

R: Wenn man Dich dann quasi nach Deinem Haus, Auto, Boot abfragt, ist doch eigentlich klar, dass das Interesse nicht wirklich Dir gilt.

A: Es ist mir zumindest klar, dass ich in dem Moment nicht die richtige Gesprächspartnerin bin und das ist doch auch eine wichtige Erkenntnis. Zeit für ein Gespräch möchte ich mir vor allem dann nehmen, wenn sich das Gespräch gut anfühlt, wenn ich neugierig auf das Gespräch bin.

R: Könnte man sagen, dass eine gute Frage Deine Gesprächsbereitschaft erhöht?

A: Ja, sicher oder ein gutes “Verarbeiten” meiner Antwort auf eine Frage. Es entscheidet sich vor allem nach meiner Antwort, ob und wie ein Gespräch sich entwickelt. Vielleicht führt meine Antwort ja auch dazu, dass der/die Fragende das Interesse am Gespräch verliert.

R: Dann gibt es also gar keine guten oder schlechten Fragen, sondern nur passende oder unpassende Reaktionen auf die Antwort?

A: Spannende Frage! Eine “gute” Frage, die nichts auslöst oder die nicht zur Situation passt, verpufft ja irgendwie. Eine vermeintlich schlechte Frage, die etwas auslöst und wenn man nur über “das ist aber eine blöde Frage” ins Gespräch kommt, kann wiederum viel bewirken. Wichtig ist eigentlich das Ziel – was will ich mit einer Frage bewirken?

R: Wann ist eine Frage “gut” und wer entscheidet das?

A: Beide Gesprächspartner tragen ja zum Gelingen oder Scheitern eines Gesprächs bei. Eigentlich entscheidet sich der Verlauf eines Gesprächs oft gleich am Anfang. Wenn ich die Frage nicht gut finde und das bewerte ich ja ganz subjektiv und ohne großes Nachdenken als Gefragte, dann werde ich nicht “gut” antworten. Wenn der/die Fragende das wahrnimmt und darauf irgendwie eingeht, dann klappt es trotzdem. Und wenn er/sie es nicht merkt oder es ihm/ihr nicht wichtig ist, dann versandet das Gespräch.

R: Ich finde, das bringt unsere Idee mit dem Fragencafé wunderbar auf den Punkt. Wir stellen Fragen, weil wir an vielen Themen interessiert sind und dazu mit unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch kommen möchten.

A: Ja, das ist eine wunderbare Zusammenfassung. Oder noch kürzer: wir sind neugierig und das ist gut so!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.